Montag, 27. Februar 2012

Neue Jugendbegleiter/innen bereit für Grundschulen


Herzliche Einladung zur Präsentation der 3. Staffel von Abenteuer Vielfalt am 5. März 2012

Culturcafé International
Das Theaterprojekt „Abenteuer Vielfalt‟ (2011/2012) stellt sich vor!
Montag, 5. März 2012 - Eintritt frei
im Alten Schlachthaus, Haal 9, Schwäbisch Hall
Beginn 19:30, Einlass 19:00 Uhr
Eine Voranmeldung ist nicht notwendig. Bitte beachten Sie, dass es eine begrenzte Platzzahl gibt.


Gemeinsam haben der Internationalen Frauenkreis Schwäbisch Hall (IFK), das Kleine Theater Hall, die Volkshochschule Schwäbisch Hall (VHS) und die Freilichtspiele Schwäbisch Hall in den vergangenen sechs Monaten neun junge Menschen zu JugendbegleiterInnen im Bereich Theaterpädagogik ausgebildet. Im Mittelpunkt der Ausbildung standen die interkulturelle Begegnung und die Wahrnehmung von Lebensvielfalt. Geleitet und begleitet wurde die Gruppe von den TheaterpädagogeInnen Verena Sciesielski und Andreas Entner (Freilichtspiele Hall) und Rainer Möck (Kleines Theater Hall), unterstützt durch die beiden Interkulturellen Trainerinnen Andrea Wanner (VHS) und Patricia Masibay.

Bei der Präsentation am Montag, den 5. März, im Rahmen der Vortragsreihe „Culturcafé International“, zeigen die TeilnehmerInnen das Erlernte dem interessierten Publikum. Auch AbsolventeInnen des Programms des letzten Jahres sprechen dabei über ihre Erfahrungen als JugendbegleiterInnen. 

Insbesondere Pädagoginnen und Pädagogen, die an Grundschulen in der Region tätig sind, möchten wir die Präsentation ans Herz legen, denn die "frischen" JugendbegleiterInnen wollen ab April 2012 ihre Fähigkeiten Ihren Schulen zur Verfügung stellen. Natürlich sind auch Lehrkräfte weiterführender Schulen herzlich willkommen. Vielleicht haben Sie Schülerinnen und Schüler in Ihren Klassen, für die die Ausbildung zum Jugendbegleiter genau das Richtige wäre.

Die nächste Staffel des Projekts beginnt im Oktober 2012. Interessierte Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren sowie mögliche UnterstützerInnen und Förderer können bei der Präsentation mehr über das Projekt erfahren und das Abenteuer Vielfalt Team näher kennenlernen. In der Organisation unterstützen das Projekt Ana Carmen Thalacker und Farnaz Schaefer vom Internationalen Frauenkreis Schwäbisch Hall.

Das Culturcafé International ist eine interkulturellen Veranstaltungsreihe im Alten Schlachthaus. In der Regel jeden 1. Montag im Monat gibt es einen lockeren Vortragsabend, der von wechselnden Veranstaltern getragen wird (u. a. VHS Schwäbisch Hall, Kulturbüro Schwäbisch Hall, Internationaler Frauenkreis Schwäbisch Hall).


Text: Andreas Entner
Foto: Patricia Masibay

Montag, 20. Februar 2012

„Abenteuer Vielfalt“-Präsentation in der Grundschule Steinbach

Die Kinder vor ihrem Auftritt mit den Abenteuer Vielfalt-Jugendbegleitern Clara Schnell und Jannik Weiße sind vorbereitet und gutgelaunt.

Seit Ende April 2010 engagieren sich Abenteuer Vielfalt-Jugendbegleiter in der Grundschule Steinbach mit Erfolg!

Am Mittwoch den 15. Februar 2012 veranstalteten Jannik, Clara und ich mit der Improvisations-Theatergruppe der Grundschule Steinbach eine Abschlusspräsentation, in welcher die Eltern und Lehrer einen Einblick in das Erarbeitete des vergangenen halben Jahres erhielten. 

Die Schüler meisterten die anspruchsvollen Aufgaben trotz großer Aufregung sehr kreativ und souverän. Mit gespannter Aufmerksamkeit wurde ihr Auftritt betrachtet und die spontanen Lacher und Reaktionen der Zuschauer erfüllte die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler mit Stolz.

Zum Abschluss riefen die Kinder Jannik auf die Bühne und übergaben ihm eine Karte und zwei Kinogutscheine als Abschiedsgeschenk, da er wegen seiner Realschul-Prüfungen für einige Zeit aussetzt. Ich werde ihn für die nächsten Wochen vertreten und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den Kindern.




Die Kindergruppe bildet zusammen eine große Maschine voller Bewegung, Geräusche und Kreativität.

Der tolle Auftritt zeigt die gelungene Zusammenarbeit zwischen den Abenteuer Vielfalt-Jugendbegleitern und ihrer Kindergruppe sowie die tatkräftige Unterstützung der Schule durch die Lehrerin Dorothea Mutschler-Lang (in rot) und der ehemaligen Steinbach-Schülerin Cosima Hilbert (zwischen Jannik und Clara). 

Text: Cosima Hilbert
Fotos: Patricia Masibay

Dienstag, 7. Februar 2012

„Jeder Dienstag ist eine Überraschung“ – Ein Gespräch mit Inna und Kristin

Inna (links) und Kristin

Die dritte Staffel von Abenteuer Vielfalt (2011/2012) bringt wieder eine bunte Mischung von Teilnehmenden zusammen. Wir stellen Inna Martel und Kristin Kumria vor.

Inna Martel ist in Schwäbisch Hall geboren. Sie ist 15 und geht zur Werkrealschule Schenkensee. Sie hat nicht nur viele Schwester (fünf!) sondern auch viele Hobbys. Ein Jahr lang fuhr sie Go-Kart,  „zuerst war ich einmal in der Woche, und dann zweimal und irgendwann war es viermal in der Woche. Die Eltern mussten immer dabei sein, aber dann hatten meine Eltern keine Zeit mehr.“ Ihre Freizeit ist trotzdem gefüllt: mit Lesen, Klavier spielen und Tanzen. Vier Jahre lang, bis zur 7. Klasse, nahm sie Ballett Unterricht. Und weil sie etwas Neues ausprobieren wollte, begann sie vor zwei Jahren mit Hip-Hop Tanzen. Es macht ihr Spaß mit Ihren Freunden immer wieder neue Tänze zu erlernen.
Kristin ist auch in Schwäbisch Hall geboren. Sie ist 17 Jahre alt und geht zum Gymnasium bei St. Michael. Sie ist wie Inna die jüngste in ihrer Familie, aber sie hat „nur“ eine Schwester und einen Bruder. Auch Kristin beschäftigt sich mit vielen Hobbys: Zeichnen (Portraits), Malen (Landschaften), Lesen (Geschichten mit Internationalen Handlungsorten), Musik-Hören (Internationale Musik), Singen (Gospel), Schauspielen (seit der 8. Klasse) und manchmal geht sie joggen („gerne im Sommer, wenn die Sonne scheint“).  


Erfahrung mit Theater
Inna sah bisher nur ein Theaterstück. In der Grundschule besuchte ihre Klasse eine andere Schule um „Das fliegende Klassenzimmer“ anzuschauen. Sie fand das Stück toll aber „ich habe mir nie gedacht ,dass ich auch so was machen würde“.  

Kristin war neben einem professionell aufgeführten Theaterstück, Jim Knopf ("als ich noch ganz klein war"), bei verschiedenen Vereins- und Schulaufführungen. Erst bei einer Aufführung in der 7. Klasse dachte Kristin  “das würde ich auch mal gerne machen.“  So begann sie in der 8. Klasse Theater zu spielen. Ihre Erwartungen wurden „übertroffen“. Vorher, als Zuschauer, konnte sie sich nicht vorstellen wie es ist, auf der Bühne zu stehen, aber „wenn man das wirklich mal macht dann ist das viel krasser als man sich das wünscht. Viel besser! Zum Beispiel habe ich mich früher nicht getraut zu schreien. Das habe ich jetzt gelernt, einfach mal laut zu sein oder wütend zu sein, rumzuschreien- einfach die Hemmschwelle zu überschreiten. Wenn nichts mehr peinlich ist und man alles machen kann, ist das ein tolles Gefühl.“ 


Vielfalt 
Inna beschreibt Vielfalt ganz schnell und mit einem Wort: „Spass“. Ihr genügt das. Sie lacht und sagt, „mir fällt nichts mehr ein“. Später entdeckt man, dass sie eine vielfältige Umgebung hat. Ihre Mutter kommt aus Tadschikistan und ihr Vater aus Kasachstan. Daher kann sie fließend Russisch sprechen. Viele ihrer Freunde kommen auch aus interkulturellen Familien. Sie hat diese Vielfalt vorher nicht erwähnt, weil es ganz normal für sie ist. Sie fühlt sich eher „anders“ weil sie schüchtern ist. 

Für Kristin bedeutet Vielfalt, „dass man facettenreich sein kann. Dass man vieles ausprobieren kann. Dass man immer wieder anders an Dinge rangehen kann. Dass es nicht langweilig wird. Dass man immer wieder neue Aufgaben bekommt und Herausforderungen“. Diese Vielfalt erlebt sie in ihre Familie. Ihr Vater ist in Indien geboren, ihre Mutter in Deutschland. Sie besuchte Indien zum ersten Mal letztes Jahr und hat das Land natürlich als Deutsche betrachtet: "eine ganz andere Kultur, andere Mentalität, andere Menschen, anderes Essen, andere Sprache, andere Religion, andere Sitten, andere Klamotten, andere Gerüche, viele Menschen, viel mehr Lärm, viel mehr Schmutz, anderes Klima.“  Ihr hat das „pulsierende Leben“ gefallen, „immer war etwas los, überall Menschen. Im Vergleich zu Indien sind deutsche Strassen eigentlich wie leergefegt.“. Sie findet es toll Verwandte im Ausland zu haben. Seit circa drei Jahren tauscht sie sich mit einem gleichaltrigen Cousin per E-Mail aus. Sie staunt immer wieder darüber, wie unterschiedlich ihre Leben sind."


Abenteuer Vielfalt
„Theater macht Spass“ sagt Inna mit ihrem netten Lachen und sie ist sich dabei sicher. Im Abenteuer-Vielfalt Projekt ist sie überhaupt nicht schüchtern. Sie entschied sich beim Projekt mitzumachen, weil sie nächstes Jahr eine Ausbildung zur Erzieherin machen möchte. Dafür absolvierte sie auch schon drei Praktika im Kindergarten. Sie wollte die Möglichkeit ergreifen, weitere Erfahrungen als Jugendbegleiter zu sammeln.  Jeden Dienstag lernt sie bei Abenteuer Vielfalt etwas Neues: „was man mit den Kindern spielen kann“ und auch „weil es Spaß macht. Ich bin dadurch auch offener geworden". Ein Highlight und die bisherige Überraschung der Ausbildung war der Austausch Tag und Improvisations-Workshop mit der Akzent Theatergruppe aus Karlsruhe: „das war cool!“

Kristin kam zum Abenteuer Vielfalt Projekt durch das Freilichtspiele-Theaterprojekt „Unsere eigene Theatershow“ die Verena Sciesielski auch begleitet. Verena sprach sie an. So entschied sie sich bei Abenteuer Vielfalt mitzumachen, wegen ihrer großen Leidenschaft für Theater und um zu sehen, ob Theaterpädagogin als Beruf für sie in Frage kommt. Kristin kommt gerne jeden Dienstag  „weil es Spaß macht und irgendwie entspannt“. Sie empfindet es als  Ausgleich und Abwechslung zum Stress in der Schule und dem ständigen Lernen. Ausserdem freut sie sich auf die Gruppe und die vielen neuen Übungen: „Jeder Dienstag ist eine Überraschung!“. 

Inna möchte sich auf jeden Fall nach der Ausbildung als Jugendbegleiter engagieren. Sie hat auch vor mit dem Theaterspielen weiter zu machen. 
Kristin macht mit Theater weiter. Ihre Theaterbegeisterung führt sie schon heute dreimal in der Woche in verschiedene Theaterprojekte. Für sie ist gerade Probe-Zeit: in der schulischen Theater AG für die „Hamlet“  Aufführung im Juni (sie spielt die Hauptrolle), in der Freilichtspiele-Gruppe für die Theatershow im Mai und bei Abenteuer Vielfalt für die öffentliche Abschlusspräsentation im März. Auch sie hat starkes Interesse, sich nach der Ausbildung als Jugendbegleiter zu engagieren. 

Szenen aus der Ausbildung

Inna improvisiert und erzählt spontan eine Geschichte.


Kristin reagiert mit einem strahlender Lächeln als Kate sich ihr annähert.



Text & Fotos: Patricia Masibay


Montag, 23. Januar 2012

„Friede, Freude, Theaterspielen!“ Ein Gespräch mit Kate und Aylin


Katelynn (links) und Aylin 


Die dritte Staffel von Abenteuer Vielfalt (2011/2012) bringt wieder eine bunte Mischung von Teilnehmenden zusammen. Wir stellen Aylin Saglam & Katelynn Ramey vor.

Aylin Saglam und Katelynn Ramey sind beide 16 Jahre alt, wohnen in Schwäbisch Hall und gehen ins Schulzentrum Ost. Sie haben sich aber erst im Oktober 2011 durch das Projekt Abenteuer Vielfalt kennengelernt.

Aylin Saglam, geboren in Waiblingen, lebt seit 12 Jahren in Schwäbisch Hall. Sie hat viele Interessen, vor allem musikalische. Vor zwei Jahren begann sie, sich das Gitarren-Spielen selbst beizubringen, seit fünf Jahren nimmt sie Gesangsunterricht. Außerdem hatte sie sechs Jahre lang Klavierunterricht. Momentan singt sie im Chor ihrer Schule. Sie liest eigentlich nicht so gerne- außer französische Bücher: „das ist meine Leidenschaft!“ Ihre Lieblingsbuch ist „Oscar et la Dame Rose“. 

Katelynn, lieber Kate genannt, ist in Schwäbisch Hall geboren. Auch Kate hat vielfältige Interessen. So singt auch sie gerne, „in der Schule haben wir einfach eine Band zusammengestellt“ und spielt auch „ein ganz kleines bisschen Klavier zum Spaß“  immer wieder mit einer Freundin. Sie war zwei Jahre Cheerleader bei den „Unicorns“ (American Football Mannschaft in Schwäbisch Hall). Sie mag Lesen, hauptsächlich Fantasie Bücher. Gerade liest sie „Ewiglich die Sehnsucht“ von Brodi Ashton. Doch auch das Schreiben von Geschichten ist eines ihrer Hobbys: „alles mögliche, was mir halt einfällt…nicht nur Fantasie- auch normale Sache wie der Alltag von Teenagern.“


Interesse am Theater
Aylin gefällt das Theaterspielen. Sie hatte im Kindergarten und in der Grundschule oft Gelegenheit dazu, auch bei Musicals. In 2009 nahm sie beim dritten Internationalen Jugendtheaterfestival Schwäbisch Hall teil. Neben dem Abenteuer Vielfalt Projekt ist sie auch in der Theater AG in ihrer Schule aktiv. Gerade probt sie für die Rolle des „Claudius“ in „Hamlet“ für eine Aufführung im Sommer. Seit einem Jahr schaut sie bewusst professionelle Theaterstücke an, um mehr über das Schauspielen zu lernen.

Durch ihren älteren Bruder lernte Kate die Welt des Theaters kennen. Oft sah sie ihn in Hauptrollen in den Theateraufführungen der Schule und eines Tages dachte sie sich „Hey, warum mache ich das eigentlich nicht auch?“ So begann sie in der Theater AG mitzuspielen, arbeitet aber auch gerne hinter den Kulissen. Und sie schrieb schon ihr erstes eigenes Theaterstück - eine moderne Version von „Romeo und Julia“.

Kate und Aylin finden „neue Rollen zu spielen, eine andere Person zu sein“ den interessanten Aspekt von Theater. So möchte Aylin auch gerne Schauspiel studieren. Kate interessiert sich mehr für das Bühnenbild, Maske und Kostüme, es ist für sie noch interessanter als auf der Bühne zu stehen.


Vielfalt 
„Andere Menschen, Kultur, Religion und Ansichtsweisen- anderes Denken, das ist für mich Vielfalt“ erklärt Kate. Sie nimmt ihre Mutter und ihren Vater als Beispiel. „Mein Dad ist Amerikaner aus Tennessee und meine Mom ist Hallerin. Ich sehe wie mein Dad sich benimmt und dann sehe ich, dass meine Mom anders drauf ist. Das finde ich interessant wie die Leute halt unterschiedlich sind, es kommt auch drauf an woher sie kommen - von der Kultur her.“ Sie findet dass dieser interkulturelle Aspekt ihrer Familie ihre Persönlichkeit positiv prägt. Obwohl sie noch nie in Amerika war, fühlt sie sich wegen ihrem Vater und was sie von ihm lernt als „Halb-Amerikanerin“. „Ich mag Basketball und Football, halt typisch amerikanisch“ nennt sie beispielhaft.

Aylin findet: „Vielfalt ist eigentlich jeder. Vielfalt ist einfach der Unterschied zum Anderen“. Aber auch wenn jemand sich bewusst von anderen abgrenzt, nicht das gleiche tut- ist das für sie Vielfalt. Sie spricht über die Herausforderung dieser Art von Vielfalt: Fremdheit. „Meistens war es irgendwie komisch, nicht so angenehm weil man denkt, man wird vielleicht nicht wahrgenommen , man wird vielleicht falsch beurteilt auf den ersten Blick.“ Sie spricht weiter über das Anders-sein: „Als ich ein bisschen jünger war, habe ich immer gedacht nee, ich muss auch das machen was die anderen sagen, was die machen.“ Inzwischen fällt es ihr leichter anders zu sein, „vor allem weil meine Mama immer gesagt hat: ,sei so wie du bist und nicht wie die Anderen dich wollen.‘ “


Abenteuer Vielfalt
Aylin hat vom Projekt Abenteuer Vielfalt durch einen Newsletter des Kleinen Theater Hall erfahren. Sie ist jetzt dabei, weil sie das Theater liebt „und ich liebe es genauso, etwas mit Kindern zu machen.“ Kate wurde von einer Lehrerin angesprochen, die von anderen Lehrern hörte, wie toll Kate war, als sie spontan bei einer amerikanischen Theatergruppe auf englisch mitspielte. Kate fand das Projekt gut und erzählte sogar weiteren Freundinnen darüber, die Erzieherin werden wollen. Alle erkannten die praktischen Vorteile einer Ausbildung als Jugendbegleiter, Kate macht aber aus „Lust und Laune“ mit.

Die bisherigen Erfahrungen durch das Projekt Abenteuer Vielfalt beschreiben beide schlicht und einfach als „Positiv!“. Es gab viele Überraschungen, obwohl sie zuvor schon viele Erfahrungen mit Theaterprojekten sammeln konnten.

Und beide freuen sich über die neuen Freundschaften mit so verschiedenen Leuten. „Von Anfang an haben wir uns alle gut verstanden“, erzählt Aylin. Diese Selbstverständlichkeit zur Freundschaft und Offenheit füreinander in der Gruppe hat sie verwundert. Obwohl Kate selbst eine sehr freundliche und offene Person ist, war sie überrascht, dass diese Freundschaften auch ausserhalb der Projekt-Einheiten ausgelebt werden.

Aylin erzählt über die Übungen: „Es gibt so viele Dinge die macht man… hat aber noch nie wirklich verstanden, was die bringen. Erst denkt man: Was ist das denn für eine Übung? Aber dann, wenn man danach darüber nachdenkt, da macht es voll den Sinn. Als wir uns in unsere Füße reindenken sollten oder wo wir uns konzentrieren sollten, wie man sich gerade fühlt - merkt man erst was überhaupt alles läuft - wo es einem wehtut, wo es kalt ist - man kriegt ein anderes Körpergefühl und das hat mich überrascht.“

Für beide war die intensive, dauerhafte Auseinandersetzung mit Improvisations-Theater sehr lehrreich. Aylin hat gemerkt, dass sie deshalb jetzt schneller reagieren kann.

Und wie geht es weiter? Auf jeden Fall, Dienstags um 17.30 Uhr bis März. Nach der Ausbildung freuen sich beide darauf, sich als Jugendbegleiter zu engagieren- vielleicht sogar an ihrer ehemaligen Grundschule.

Kate als „Chef“, bei einer Improvisationsübung, sie schnalzt mit ihren Finger und die Anderen müssen schnell reagieren.

Kate beim Weiterleiten einer zeichnerischen Botschaft. Ob die Zeichnung vom Anfang der am Ende gleicht? 


Aylin und Kate setzen mit ihrer Gruppe Begriffe in Bewegungen um.

Text und Fotos: Patricia Masibay

Dienstag, 20. Dezember 2011

Abenteuer Vielfalt Austausch Tag 2011 - Aylin Saglam berichtet...

Ein „Lieblingsfoto“ aus dem Publikum wird in Szene gesetzt. (hs)


Am 3. Dezember 2011 kamen Rusen Kartaloglu und Lamis Klein, Theaterpädagogen von Tiyatro Dialog erneut nach Schwäbisch Hall um einen Improtheater-Workshop mit ihrer Jugend-Theatergruppe „Akzent" und den Jugendlichen vom Projekt Abenteuer Vielfalt durchzuführen. 

Anschließend gab es eine öffentliche Vorführung um die neu gewonnenen Fähigkeiten gleich unter Beweis zu stellen.

Aylin Saglam berichtet über ihren ersten Improtheater-Auftritt:

Am Samstag war es dann endlich soweit: Unser Impro-Tag zusammen mit der Akzent-Gruppe aus Karlsruhe. Für sie war es nicht die erste Impro-Aufführung, für die meisten Abenteuer-Vielfalt-Teilnehmer jedoch schon. Was mich angeht, war dies die erste Impro-Aufführung. Da ich jedoch schon mehrere Male auf der Bühne stand, sei es Theater oder Musik, war ich weniger nervös, freute mich aber sehr auf den Auftritt und empfand währenddessen fast nur Glücksgefühle.

Ziemlich entspannt begann der Tag mit der gegenseitigen Begrüßung und den Gruppenfotos - die beiden Gruppen "Akzent" und "Abenteuer Vielfalt" stellten sich mit jeweils einer kurzen Performance vor. Anschließend wurden wir mit vielen verschiedenen Übungen und Spielen durch den Tag geleitet, die später auch der Aufführung dienen sollten. Nach dem guten Essen im Haus der Bildung war der „große Auftritt“ nicht mehr weit.

Mit mulmigem Gefühl und leichter Nervosität unter uns "Abenteurer" ging es dann los.

Für den Auftritt hatten wir sechs Teile geplant: „Lieblingsfoto“, „Fresszettel“, „Armspiel“, „Fernsehsender“, „Nachrichten“, „Abklatschen“ und „Mantel-Impro“. Die Gefühle wechselten immer wieder, da ich mich zum Beispiel einerseits freute und Spaß hatte, jedoch kamen auch gegensätzliche Gefühle auf, wie Nervosität, da ich nicht sehr viel Erfahrung in bestimmten Bereichen habe, zum Beispiel schnell auf Situationen reagieren zu können.

Der Tag war für uns alle eine sehr gute Übung und hat uns auf jeden Fall viel Spaß gemacht und uns bereichert. Das Beste der oben genannten Kategorien war, meiner Meinung nach, zweifellos das „Lieblingsfoto“. Eine Gruppe von 4-5 Personen muss aus dem Raum hinaus und warten, bis die Anderen mithilfe des Publikums verschiedene „Titel eines Lieblingsfotos“ gesammelt hatten (z.B.: „Mein erster Schultag“ etc.). Anschließend wurde die Gruppe hereingerufen und musste zunächst in Kürze ein völlig unmögliches und verrücktes Bild darstellen. Wenn dann der Begriff genannt wurde, hatte jeder Teilnehmer auf diesem „Foto“ die Möglichkeit eine kleine Veränderung vorzunehmen, was ihm spontan auf den Begriff einfällt. Ohne großartig nachzudenken reagiert man hierbei also und lernt so spielerisch die Improvisation. Heraus kamen bei uns dann ziemlich verrückte Bilder, die, mehr oder weniger, mit dem vorgegebenen Begriff in Verbindung gebracht werden konnten. Wir haben viel zusammen gelacht, aber waren dann auch wieder sehr ernst bei der Sache. Dieser Workshop hat unsere Gruppe wieder ein bisschen ‚zusammengeschweißt’ und war eine sehr gute und für manche eine erste Erfahrung auf der Bühne – was Improvisationstheater angeht. So etwas würde ich gerne ein weiteres Mal erleben!"



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Der interkulturelle Jugendclub „Akzent“ wurde vor fünf Jahren von Rusen Kartaloglu am Badischen Staatstheater Karlsruhe gegründet. Den Club leitet er mit Lamis Klein. Seit September 2011 gehört der Jugendclub zu Tiyatro Dialog Karlsruhe e. V. Im Club spielen Jugendliche zwischen 13 und 21 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund. Vor vier Jahren hat die Gruppe mit dem Theatersport/Impro-Show begonnen.



„Abenteuer Vielfalt“ Jugendliche in Ausbildung mit Theaterpädagoge Rainer Möck (links, mit Brille) und zwei Abenteuer Vielfalt Jugendlbegleitern aus der zweiten Staffel. Von links nach rechts, stehend: Kate, Honza, Aylin, Luisa, Helen; vordere Reihe: Inna, Steffi, Isi und Clara. 

















Die „Akzent“-Jugendlichen zwischen ihrer Theater-„Mami“, Lamis Klein (links, in Rosa) und -„Papi“ Rusen Kartaloglu (rechts, mit Schnurrbart). Von unten nach recths: Elisabetha, Katharina, Nicolai, Giorgio, Fritz, Svenja, Lamonè. 

Lamis Klein gibt das Tempo an und die Teilnehmer bewegen sich mal schnell, mal langsam. Beim Anhalten gibt Lamis spontan einen Begriff für eine schnelle Umsetzung. 



Rusen Kartaloglu nimmt sich Zeit um präzise Rückmeldungen zu geben. 



Text: Aylin Saglam
Fotos: Patricia Masibay und H. Schuerg.

Freitag, 25. November 2011

„Aller guten Dinge sind drei" -- Abenteuer Vielfalt Projekt ist in der dritten Runde


Die neue Abenteuer Vielfalt Gruppe bildet eine „Maschine" mit Verena Sciesielski.

Das interkulturelle Theaterprojekt, das Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren zum Jugendbegleiter ausbildet, hat am 11. Oktober 2011 zum dritten Mal erfolgreich begonnen.

Ein Team aus Theaterpädagogen und interkulturellen Trainerinnen begleiten die Jugendlichen bei ihrer sechsmonatigen Ausbildung. Das Ausbildung ist  sehr herausfordernd und facettenreich: Übungen in Schauspielarbeit, Theaterimprovisation, Kindergruppen anleiten und interkulturelle Kompetenzen stärken die Jugendlichen bei ihrer Entwicklung zum Jugendbegleiter und überhaupt als Menschen in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft.

Ein Highlight der Ausbildung ist der Austausch-Tag. Am Samstag den 3. Dezember 2011 kommen Lamis Klein und Rusen Kartaloglu von Tiyatro Diyalog mit ihrem interkulturellen Jugendclub „Akzent“, zu den Abenteuer Vielfalt Jugendlichen nach Schwäbisch Hall. Die zwei Theaterpädagogen aus Karlsruhe führen einen Improvisations-Workshop durch. Auch die „Streetwork Theatergruppe“ aus Villingen-Schwenningen wird dabei sein. Um 18 Uhr können anschließend Impro-Fans und Neugierige eine öffentliche Aufführung der Jugendlichen genießen.

Abenteuer Vielfalt Austausch Tag Impro-Show 2011
am Samstag, den 3. Dezember 2011 
von 18 bis 19.45 Uhr (Einlass ab 17.45 Uhr)
im Alten Schlachthaus, Haal 9 - Schwäbisch Hall
Eintritt frei



Text & Fotos: Patricia Masibay

Donnerstag, 17. November 2011

„Das möchte ich machen!" - Abenteuer Vielfalt Theaterpädagogin Verena Sciesielski.


Schattenspiel mit Verena Sciesielski


Verena Sciesielski wohnt und arbeitet seit Anfang März 2011 in Schwäbisch Hall als Theaterpädagogin der Freilichtspiele Schwäbisch Hall. Damals war sie die „Neue“ als Nachfolgerin von Tina Koball. Nun begleitet Sie ihre eigene Gruppe des interkulturellen Projektes „Abenteuer Vielfalt“ mit Rainer Möck (Kleinen Theater Hall e.V.) und den interkulturellenTrainerinnen Andrea Wanner (VHS Schwäbisch Hall) und Patricia Masibay.  


Verena Sciesielski kommt aus Waiblingen in der Nähe von Stuttgart, „nicht weit von hier“ sagt sie. Den direkten Weg nach Schwäbisch Hall hat sie zwar nicht genommen, doch trotz der "Umwege" ist die 26-jährige Theaterpädagogin schnell in Hall angekommen.

Erst selbst als Jugendliche beim Mitmachen am „Seminar für interkulturelle Jugendbegegnung" in Stuttgart hat sie Theaterpädagogik entdeckt und erlebt was es bewirken kann. Über ein Jahr lang nahm sie neben vielen weiteren Kursen am wöchentlichen Schauspiel- und Sprachgestaltungskurs teil. Verena erinnert sich an die Bedeutung dieser Erfahrung. „Im Nachhinein war es für mich eine wichtige persönliche Weiterentwicklung. Ich musste Grenzen überwinden und aus mir heraus gehen. Dies und mit der Gruppe ein gemeinsames Theaterstück zu erarbeiten und aufzuführen, machte mich selbstbewusster. Am Ende hatte ich Spaß statt Angst vor mich selbst. Die Arbeit selbst, aber auch vor allem die Theaterpädagogin, die die Gruppe leitete, war so toll, dass ich wusste: das möchte ich auch machen!" So führte sie ihr Weg bald zur theaterpädagogischen Vollzeitausbildung an der Akademie für darstellende Kunst Ulm.

Begleiter auf ihrem Weg, bereits als Jugendliche, war stets Vielfalt. „Vielfalt bedeutet  für mich Freiheit. Ich möchte mich nicht auf einen Weg versteifen. Ich bin immer auch interessiert an anderen Wegen und Einstellungen“. Ihr Freundeskreis ist breit und sie gehörte nie nur zu einer Clique: „Bei mir sind alle eingeladen. Alle gehören zu mir". Wenn Sie Geburtstag feiert ist es kein Fremdbild wenn ihre Oma zwischen einem Punker- und einem Pfadfinder-Freund sitzt. Auch bei ihrem sozialen Jahr (in der sozialthearapeutischen Wohn- und Lebensgemeinschaft Lautenbach) und anderen Praktika, legte sie Wert darauf, unterschiedliche Menschen und Einrichtungen kennenzulernen und vielfältige Erfahrungen zu sammeln. 

Sie strebt für ihr „ganzes Leben“ Vielfalt an, doch sie weiß, dass es manchmal eine schwierige Aufgabe sein kann: „Das Angebot ist zu groß und die Tage und Kräfte reichen nicht immer aus. Ohne Schwerpunkt, ohne Orientierung kann man sich schnell verlieren und weiß nicht wo man hingehört. Während andere vielleicht diese Orientierung in einer bestimmten Gemeinschaft oder Einstellung suchen, so möchte ich mich nicht auf nur eines festlegen. Doch dafür ist es nötig, den Halt in sich selbst zu finden und Entscheidungen zu treffen, um sich nicht in der ganzen Vielfalt zu verzetteln.“

Eine ihrer Entscheidungen, gerade wegen der Vielfalt an Projekten und Verantwortlichkeiten, war als Theaterpädagogin bei den Freilichtspiele zu arbeiten. Sie hat sich während ihres studienbegleitenden Praktikums am Puppentheater Magdeburg für die Stelle beworben und wurde sehr schnell eingeladen, in die Stadt im Kochertal zu kommen. So kam sie nach Hall, noch bevor sie ihr Theaterpädagogin-Diplom in den Händen hielt, aber schon mit einem Koffer voller Erfahrungen unter anderem als Puppenspielerin und ausgebildete Erlebnispädagogin.

Vor knapp sieben Monaten hat sie erstmals kurz das Projekt „Abenteuer Vielfalt“ kennengelernt. Sie war dabei als die Jugendlichen von der zweiten Staffel ihre öffentliche „Abschluss-Präsentation“ vorgestellt haben. Ihr fiel damals schon auf, wie „bunt“ die Teilnehmer und die Gestaltung der Ausbildung waren. Sie war überrascht, wie offen und schnell die „Abenteurer“ sich auf die Übungen eingelassen haben. Am Projekt „Abenteuer Vielfalt“ schätzt sie: „Jugendliche bleiben Jugendliche“. Hier wird kein „falscher Perfektionismus“ erzwungen. Hier kann man vieles ausprobieren- „Fehler“ sind erlaubt und als Lernmöglichkeiten zur Selbstentwicklung gesehen. 

Seit der ersten Stunde der drittel Staffel dieses umfangreichen Projekts ist Verena Sciesielski mit an Bord. Jeden Dienstag gibt sie – mit spürbarer Begeisterung und zauberhaftem Lächeln – ihre Erfahrungen und ihr Wissen an die Jugendlichen weiter. Jeder kann so seine eigenen Erfahrungen mit dem Theater und der Theaterpädagogik machen, genauso, wie es ihr selbst einst ergangen ist. Vielleicht ist es ja für einige Teilnehmenden, mit all den neuen Erlebnissen mit der Vielfalt, der erste Schritt eines neuen entscheidenden Weges.


Dienstags im „Bewegungsraum“ der Volkshochschule Schwäbisch Hall im Haus der Bildung enstehen immer wieder neue Szenen und dabei bleibt Verena (in Gelb) selbst in Bewegung um die verschiedenen Rollen genauer anzuschauen.

Text & Fotos: Patricia Masibay