Mittwoch, 12. November 2014

Eine starke Staffel zum sechsten Mal!

Das Bild zeigt die Stärke und Enthusiasmus der Teilnehmenden und des Projekt-Teams (Ana Thalacker, Farnaz Schaefer, Rainer Möck und Andreas Entner).

Die 6. Staffel Abenteuer Vielfalt ist gestartet und 14 hoch motivierte Jugendliche freuen sich auf die JugendbegleiterIn-Ausbildung. „Eine große Gruppe unterschiedlicher junger Menschen“, sagt Andreas Entner (Dozent für Theaterpädagogik bei Abenteuer Vielfalt) „die vom ersten Moment an mit einer enormen Spielfreunde dabei sind.“ Sein Kollege Rainer Möck der seit Beginn des Projekts Abenteurer leitet bemerkt: „Die haben so viel Spaß am ausprobieren… Das ist der Wahnsinn!“

Bei Abenteuer Vielfalt bekommen die 8 Mädchen und 6 Jungs Grundlagen der Theaterpädagogik und interkulturelle Ansätze vermittelt, sie begegnen anderen und sich selbst auf neuen Wegen und haben gemeinsam vor allem eins… Spaß.

Im Anschluss an die Ausbildung werden die neuen JugendbegleiterInnen ihre Fähigkeiten an Grundschulen unter Beweis stellen.

Samstag, 20. September 2014

Sei dabei: Meldet Euch am Sonntag für die 6. Staffel Abenteuer Vielfalt beim Haller Freundschaftstag an!

 Gerry Müller-Karschin, Abenteuer Vielfalt Staffel 4 Absolvent beim Haller Freundschaftstag in 2013 mit Schreibkünstlern und Mitgliedern des Internationalen Frauenkreises Nassrin Chalehchaleh (links) und Haeyoung Gebert-Lee. Dieses Jahr gibt es wieder eine Kalligrafie Aktion. Gegen eine Spende können Sie ihren Namen in koreanischer oder persischer Schrift schreiben lassen. Bild: IFK
Abenteuer Vielfalt Staffel 2014/2015: Anmeldung am Sonntag, den 21. September 2014 am Stand des Internationalen Frauenkreises Schwäbisch Hall.

Die sechste Staffel des interkulturellen Ausbildungsprojekts „Abenteuer Vielfalt“ beginnt am 7. Oktober 2014!


Anmeldung am 21. September beim Freundschaftstag (am Stand des Internationalen Frauenkreises Schwäbisch Hall)
Der Internationale Frauenkreis ist wieder dabei und lädt herzlich ein! Dieses Jahr mit Programm und Köstlichkeiten aus Portugal: Pasteis de Nat, Croquetes de Bacalhau und Rissois de camarao (Garnelen). Außerdem gibt es weitere feine internationale Delikatessen: persischen Berberitzen Reis mit Mandeln und Safran und Kabab, vier koreanische Spezialitäten und mexikanische Tacos und Burritos. 

Neben leckerem Essen bieten wir Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 20 die Möglichkeit, sich für das Abenteuer Vielfalt Projekt anzumelden. Am Stand können sie mit Absolventen des Projekts sprechen. 


Abenteuer Vielfalt 6 (2014/15)
Ausbildung dienstags von 16.45 bis 18.45 Uhr
Start am 7. Oktober 2014, Laufzeit bis März 2015
Volkshochschule Schwäbisch Hall, Haus der Bildung (beim Kocherquartier)
Praxisteil als Jugendbegleiter/in in einer Haller Grundschule zwischen April und Juli 2014

Weitere Anmeldungsmöglichkeiten: zu Beginn der Ausbildung am 07. Oktober in der VHS (3. OG Bewegungsraum). Du kannst auch eine kurze E-Mail an m.miara@vhs-sha.de schreiben mit deinem Namen, deinem Alter, deiner Telefonnummer und gib als Betreff: „Abenteuer Vielfalt 6“ an.


Seit 2009 treffen sich Jugendliche mit vielfältigen Hintergründen, Interessen und Erfahrungen in dem Projekt Abenteuer Vielfalt. Sie nehmen teil um etwas Neues zu erfahren, um Theaterarbeit kennen zu lernen oder ihre Erfahrungen in diesem Bereich zu vertiefen, oder auch weil sie mit Kindern arbeiten wollen. Alle bisherigen Teilnehmer/innen haben in der Ausbildung interessante Leute kennengelernt, neue Kontakte geknüpft und tolle Freunde gefunden. Sie haben unerwartete Fähigkeiten in sich entdeckt und andere gestärkt und vor allem Spaß gehabt!




Samstag, 9. August 2014

Neue qualifizierte Jugendbegleiterinnen!

Von links: Zora Verleger und Aline Schmidt (Absolventinnen), Ana Thalacker, Andreas Entner, Farnaz Schaefer und Rainer Möck (Team), Janna Krüger und Alina Janz (Absolventinnen). Foto: J. Schmidt/IFK

Nach insgesamt neun Monaten Ausbildung haben am 22. Juli 2014 haben die Absolventinnen der fünften
Staffel ihre Zertifikate entgegen genommen. Beim gemütlichen Zusammensitzen wurde über die bestandene theoretische Teil der Ausbildung und über die bisherigen Erfahrungen der praktischen Arbeit in Schulen gesprochen. Leider konnten nicht alle Mitglieder dieser Staffel dabei sein, was wir sehr bedauert haben. Wir wünschen allen „frisch gebackenen“ Jugendbegleiter/innen alles Gute für ihren weiteren Weg.

Die sechste Staffel startet am 7. Oktober 2014. Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahre können sich jetzt schon bei der Volkshochschule per E-Mail anmelden. Bitte die E-Mail unter Angabe von Name, Alter, Telefonnummber und dem Betreff: „Abenteuer Vielfalt 6“ an m.miara@vhs-sha.de senden. Die Teilnahme ist kostenlos.


Freitag, 18. Juli 2014

Absichtliche Missverständnisse! Wir stellen die interkulturelle Trainerin Andrea Wanner vor.

Andrea Wanner in ihrem Büro an der Volkshochschule Schwäbisch Hall. Sie ist Fachbereichsleiterin für Kultur und die Werkstatt Kunst und leitet die Frauenakademie.
Seit Projektanfang 2009 war Andrea Wanner mit Patricia Masibay verantwortlich für die interkulturellen Einheiten im Programm. 2013, nach vier erfolgreichen Staffeln widmete Andrea Wanner sich neuen Herausforderungen, und die Zeit ist seitdem so schnell verflogen, dass wir sie erst jetzt richtig vorstellen können. Darum hat Patricia Masibay sich noch einmal mit Andrea Wanner zum Gespräch getroffen. 


2014 feiert Abenteuer Vielfalt sein fünfjähriges Jubiläum. Das interkulturelle Theaterprojekt hat viele Facetten und ambitionierte Ziele. Der Unterschied und gleichzeitig die Besonderheit dieser Ausbildung zum/zur Jugendbegleiter/-in ist der praxisorientierte Schwerpunkt auf Interkulturalität. Ein solches Programm wird erst möglich durch Teammitglieder, die neben Begeisterung und Offenheit auch die Erfahrung und Kenntnisse über interkulturelle Kompetenz mitbringen und transportieren können. “Sie hat die ersten Steine für die interkulturellen Einheiten gelegt” sagt Projekt-Mitgründerin Farnaz Schaefer über Andrea Wanner. “Mit viel Ruhe und Fachwissen öffnete sie Augen. Vielleicht wäre es ohne Andrea nie so weit gekommen – und das wäre schade”, fügt Theaterpädagoge Andreas Entner hinzu.

Andrea Wanner wurde in Stuttgart geboren und lebt seit mehr als 20 Jahren in Schwäbisch Hall. Sie ist mit einem Lehrer verheiratet und hat drei – inzwischen erwachsene – Söhne. Sie ist Fachbereichsleiterin an der Volkshochschule für Kultur und für die Werkstatt Kunst und leitet die Frauenakademie. In ihrer Freizeit ist sie gern mit ihrem Mann unterwegs, um Neues kennenzulernen, und verbringt viel Zeit mit Lesen.


Was bedeutet Vielfalt für dich?
„Vielfalt ist ein zentraler Begriff für mich: Die Welt ist voller Dinge, Menschen, Situationen. Sie alle haben ihre Daseinsberechtigung. Ich kann erst mal schauen und muss nicht gleich bewerten. Ich kann Dinge stehen lassen. Ich kann mich darauf einlassen oder nicht. Vielfalt ist, was um mich herum passiert. Ich habe mir Dinge ausgesucht, habe mein Leben. Andere tun andere Sachen. Ich muss nicht gleich entscheiden, was besser ist, was richtig ist oder eher zum Ziel führt. Ich lasse mich auf die Menschen ein und nehme sie an, wie sie sind.

Das hat nicht nur mit der interkulturellen Vielfalt zu tun, sondern es fängt gleich bei meinen Nachbarn an, die anders leben als ich, und auch bei meinen Kollegen und Freunden – und das ist unglaublich bereichernd. Und das wird auf die interkulturelle Dimension erweitert. Ältere, jüngere Menschen, Leute mit anderen Berufen und Erfahrungen, Menschen aus anderen Ländern oder Menschen, die woanders gelebt haben. All das zusammen macht Vielfalt aus, und das genieße ich total: bei meinen Begegnungen mit ihnen und ihren Erzählungen und besonders beim interkulturellen Essen.“


Wo hast du interkulturelle Begegnungen erfahren?
„Die Begegnung mit Vielfalt hat bei mir sehr früh in der Schule angefangen: In der dritten Klasse war ein neues Mädchen zu uns gekommen. Sie hieß Kanan Sisa. Wir dachten an Sissi aus den Filmen und nannten sie ein Schuljahr lang Sisa. Am Ende des Schuljahrs ging sie wieder, und es hat sich herausgestellt, dass Sisa eigentlich ihr Familienname war, und ihr Vorname war Kanan. Ich war damals acht Jahre alt, und ich war furchtbar traurig. Ich fand es schrecklich, dass wir das nicht wussten und sie ein Jahr lang falsch angeredet haben, weil sich niemand darum gekümmert hat. Solche kleinen Erfahrungen habe ich mein Leben lang gesammelt und immer wieder gefühlt, es passte nicht.“


Wie ging es weiter?
„Über interkulturelle Unterschiede nachzudenken, habe ich ganz konkret im Studium begonnen. Ich bin für ein Semester nach England gegangen. In Manchester lebte ich in einer kulturell bunt gemischten Wohngemeinschaft. Die ganze Welt war auf engstem Raum vertreten, und wir saßen Abende und Nächte lang zusammen. Es gab eine Fritteuse, wo die Bananen reinkamen und die Eier und die Kartoffeln und die Würste und alles nacheinander. Es hat Spaß gemacht zu beobachten, dass alle anders sind, alle auf unterschiedliche Dinge anders reagieren, und es trotzdem ganz viele Gemeinsamkeiten gibt. Für mich war es wieder ein Sammeln von Momenten, und dann dachte ich, man könnte noch mehr tun: Man könnte sich doch zu dem persönlichen Erleben theoretische Hintergründe verschaffen. Es hat mich interessiert, ob es einen Überbau gibt zu dem, was ich tue und was ich gerne tun möchte.“


Wie hat dein Studium der Literaturwissenschaft dazu beigetragen?
„Ich habe deutsche, englische und amerikanische Literatur studiert. Das Studium der Literatur ist schon an sich ein Beschäftigen mit unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlichen Ansätzen. Es ist auch immer wieder ein Spüren und Entdecken, dass es vieles gibt, was die Menschen in allen Zeiten überall auf der Welt vereint.

Ich habe viel gelesen, aber für die Frage nach interkultureller Kompetenz und Vielfalt habe ich bisher keinen Autor gefunden, der alleine die Antwort auf den Punkt gebracht hätte. Ich denke, alles liegt immer in der Vielfalt begründet, nie im Einzelnen. Es puzzelt sich zusammen. Das ist spannend. Ich glaube, es ist die Offenheit, nie zu sagen: ,Das ist es!’ , sondern: ,Ah, das gibt’s auch noch!‘ Diese Offenheit ist für mich das, was interkulturelle Kompetenz ausmacht: Man bleibt offen und ist in der Lage, angemessen zu interagieren.“


Wie passt für dich das Improvisationstheater zum Projekt Abenteuer Vielfalt?
„Das Mittel ‚Theater‘ ist optimal für Abenteuer Vielfalt und interkulturelle Kompetenz. Man erzeugt eine eigene kleine Realität, steht auf einmal mittendrin und kann es erleben. Es ist wie im wahren Leben, und doch ist es das nicht. Man hat einen ‚Ausprobier-Raum‘, einen Spielraum, und kann sich da auf Dinge einlassen, die draußen in einem anderen Maßstab genauso passieren könnten.

Unser Leben erfordert ständiges Umdenken, Reagieren, neue Pläne, und deshalb denke ich, das Improvisationstheater ist das, was der Realität am nächsten kommt.“


Wie hast Du von diesem Projekt gehört, und warum hast Du dich entschlossen mitzumachen?
„Ich war Dozentin an der Volkshochschule für Deutsch als Fremdsprache, hatte mich in einer Fortbildung intensiv mit interkultureller Kompetenz beschäftigt und wurde gefragt, ob ich das nicht probieren wollte – zumal (jetzt muss ich aus der Rolle fallen) wir beide uns zu diesem Zeitpunkt ja schon kannten, und es schnell klar war, dass wir ähnliche Vorstellungen hatten und gemeinsam ein Konzept für den interkulturellen Part der Ausbildung auf die Beine stellen würden.


Was war dein persönlicher Ansatz bei Abenteuer Vielfalt?
„Interkulturelle Kompetenz aus der Theorie in die Praxis zu holen, um Jugendliche damit zu packen, fand ich von Anfang an spannend. Ich dachte sofort an meinen eigenen Erfahrungshorizont und an den der jungen Abenteurer, um dann die richtigen Fragestellungen in Einheiten vermitteln zu können. Der spielerische Ansatz, nämlich einen Rahmen zu schaffen, in dem exemplarisch kleine Situationen nachgestellt werden, die im Großen auch funktionieren, hat unsere Jugendlichen direkt erreicht. Man kann das Gefühl von Zugehörigkeit oder das Gefühl, Außenseiter zu sein, künstlich durch ein Spiel hervorrufen, und die Teilnehmenden können unmittelbar erleben und vergleichen, wie sich beides anfühlt. Ich glaube, es ist uns in unseren Einheiten von Anfang an gut gelungen, über Spiele kleine Realitäten zu konstruieren und dabei auf Dinge einzugehen, die tatsächlich interkulturelle Kompetenz ausmachen: Absichtliche Missverständnisse durch die Spielanlage zu provozieren, die genau das zur Folge haben, was im wahren Leben bei Missverständnissen auch passiert.“


Was denkst du über den Erfolg von Abenteuer Vielfalt?
„Bei dem Fokus, der auf Theater und Theaterspielen lag, glaube ich, dass das Nachdenken über kulturelle Unterschiede bei den Teilnehmenden schon etwas in Gang gesetzt hat: Dass ich meinen Ethnozentrismus ablegen muss, wenn ich einen kulturell anders Denkenden verstehen möchte. Ich kann nicht davon ausgehen, dass meine Kultur die richtige ist, und dass ich weiß, wie alles geht. Man muss sich überwinden und sich öffnen.

Ich habe beobachtet, dass alle Jugendlichen, die sich wirklich darauf eingelassen haben, sich selbst zum einen bestärkt gesehen haben, zum anderen aber auch ihren Umgang mit anderen infrage gestellt haben. Dieses Innehalten und sich fragen: ,Was mache ich da? Das ist meine Sicht, wie könnte es der oder die andere sehen?’ ist einfach wichtig. Überhaupt ist es wichtig zu erkennen, dass wir eine Kultur haben, die uns prägt und die wir immer mit uns herumtragen, dass wir eine „Kulturbrille“ tragen. Und das oft unbewusst. Ich finde es wichtig, egal in welchem Alter, Vorurteile abzubauen und erst einmal immer und überall offen zu sein. Für mich war es das Ziel, bei den Jugendlichen diese Offenheit zu fördern, damit sie eine Haltung entwickeln konnten, die nicht gleich bewertet, in die Ecke drängt und dem anderen die Luft wegnimmt.“


Zum Abschluss: Was nimmst Du mit von Abenteuer Vielfalt?
„Ich habe für mich viel mitgenommen, jede einzelne Einheit war neu und aufregend. Ich habe über die Ernsthaftigkeit gestaunt, die die jungen Teilnehmenden an den Tag legten. Auf der anderen Seite haben wir viel gelacht und Spaß gehabt. Es war VIELFÄLTIG und einfach gut. Ich hoffe, dass es sich genau in dieser Art noch Nachhaltigkeit weiterentwickelt, die wir für ein gutes Miteinander in dieser Stadt, diesem Land, auf dieser Erde brauchen. Und ich freue mich, dass das Projekt weiter läuft und junge Menschen erreicht. So ein leises Bedauern, dass ich nicht mehr mit dabei bin, gibt es natürlich auch. Aber alles hat seine Zeit, und ich beobachte Abenteuer Vielfalt weiter und wünsche dem tollen Projekt und allen, die es tragen, weiterhin viel Erfolg.“


Andrea Wanner (rechts) macht mit Farnaz Schaefer eine kurze Vorstellung des Projekts vor der öffentlichen Aufführung der Abenteurer aus Staffel 3 (2011-2012). Foto: ©Freilichtspiele/Jürgen Weller Fotografie (fls) 

Andrea Wanner leitet eine Übung über sichtbare und unsichtbare Eigenschaften bei der ersten Staffel (2009-2010) des Projekts Abenteuer Vielfalt ein.


Fotos: Patricia Masibay

Freitag, 16. Mai 2014

Vielfalt ist überall und alles ist anders! Ein Gespräch mit Alina und Leon


Zum fünften Mal des Projekts Abenteuer Vielfalt kommt wieder eine Mischung von vielfältige Teilnehmenden zusammen. Mareike König sprach mit Alina Janz und Leon Reich und stellt sie vor:

Die Stimmung entscheidet
Auf die Frage womit Alina Janz (16) aus Hessental und Leon Reich (15) aus Schwäbisch Hall gerne ihre Zeit verbringen, antworten beide, dass dies sehr stimmungsabhängig sei. So richtet sich Alina nach der Jahreszeit bei der Wahl, welchem Buchgenre sie sich widmen soll. Im Winter liest sie gerne Thriller mit „Mord und Totschlag“ und im Sommer lieber Romane mit Liebesgeschichten. Neben Lesen verbringt sie ihre Zeit aber auch mit Schwimmen oder Basketball spielen.

So entscheidet auch Leon, ob er eher in der Stimmung am Computer, X-Box, oder Playstation spielen ist, oder ob er lieber mit Freunden auf den Fußballplatz geht. Auch bei Filmen sind sich die beiden einig, je nachdem wie man gerade drauf ist, schauen beide gerne Komödien, Actionfilme oder auch mal einen Horrorfilm, besonders gerne schaut Leon aufwendige Actionfilme wie Avatar. 

Erfahrungen mit Theater
Leon kam bis zum Abenteuer Vielfalt Programm kaum in Berührung mit Theater. Einmal besuchte er den Freilichtspielen, fragte sich aber warum man ausgerechnet auf einer Treppe spielen muss. Es ist weder richtig dunkel, noch ist es besonders bequem die ganze Zeit nach oben schauen zu müssen.
Alina hingegen hat schon Stücke auf der großen Treppe angesehen und auch Stücke vom Jugendensemble. Ausserdem hat sie schon in der Grundschule bei drei Theaterstücken mitgewirkt. „Mein Schulranzen und ich waren die Hauptfiguren, einmal war ich Winnetou und einmal ein Fuchs“ erinnert sie sich an das Erlebnis. Auch in der weiterführenden Schule spielt sie Theater und manchmal sogar  in der Kirche zum Beispiel bei der Kinderbibelwoche. 

Vielfalt ist überall und alles ist anders
Für Leon ist die Antwort auf die Frage, was Vielfalt für ihn bedeutet, kurz aber eindeutig: „Ist überall.“ Alina antwortet ausführlich: „Es ist nicht alles gleich: Menschen, Farben, Wesenszüge, jeder– alles ist anders. Meine Eltern kommen aus Russland, da sind bei uns andere Dinge üblich; zum Beispiel essen wir viel Fleisch, das ist normal für uns, doch  hier fällt es auf. Andere, deren Eltern auch von woanders kommen, verstehen das.“ Für Alina ist Vielfalt etwas Positives: „Wäre ja sonst langweilig. Zum Beispiel ist es interessant, wenn man Leute erst mal kennenlernen muss, es ist ja oft nicht wie es scheint.“ 

Da stimmt auch Leon zu: „Jeder Mensch ist anders vielfältig, hat andere Interessen, es gibt niemanden doppelt. Manchen ähnelt man zwar oft ziemlich stark, aber es gibt immer Unterschiede.“ Auch für Leon ist Vielfalt ein positiv besetzter Begriff. Problematisch findet er es, wenn jeder zwanghaft probiert auf eigene Art und Weise vielfältig zu sein. Alina findet, dass sich Menschen oft zu schnell eine Meinung über andere bilden. Es kommt schnell zu Vorurteilen, um die Vielfalt irgendwie zu Kategorisieren. Das ist für sie die Gefahr von Vielfalt. 

Das Projekt „Abenteuer Vielfalt"
Zwar kannten sich die beiden vorher nicht, sind aber auf dieselbe Weise darauf aufmerksam geworden. Als Leon am Haller Freundschaftstag von einem Abenteuer Vielfältler der letzten Staffel von dem Projekt hörte, war er zuerst skeptisch. Doch sein Freund Moritz überzeugte ihn, mit ihm zusammen wollte er gerne mitmachen Er erzählt von dem ersten Tag: „Die erste Stunde war einheitlich, freundlich, spaßig, die Spiele, das Reden war überraschender Weise gar nicht so langweilig. Es war kein stumpfes Theater, ich bekam Lust auf mehr.“

Durch das Projekt Abenteuer Vielfalt hat Leon gelernt, eine Gruppe  als etwas Positives wahr zu nehmen. „eine neue Gruppe muss nichts schlechtes sein, man lernt sich kennen“ Außerdem meint Leon nun bei manchen Sachen ernster bleiben zu können als zuvor. Er hat erkannt, dass zusammen arbeiten besser funktioniert, wenn man sich an gewisse Regeln hält. 

Auch Alina ist zusammen mit ihrer Freundin zum Projekt gekommen. Sie hat großes Interesse an Theater spielen und mag es mit Kindern zusammen zu arbeiten. „Zunächst war ich schüchtern und skeptisch und habe den Sinn gesucht.“ Doch nach und nach gewann sie mehr Selbstbewusstsein. Das kennenlernen von fremden Leuten war dann keine Schwierigkeit mehr. „Wenn alle am selben interessiert sind, geht es schnell. Das besondere Theaterfeeling war da: was Bescheuertes machen, sich in jemanden hineinfühlen, Emotionen austesten, das macht großen Spaß.“ Durch Abenteuer Vielfalt fiel es Alina auch einfacher vor anderen zu sprechen. Neben neuen Leuten lernte sie Neues bei den interkulturellen Einheiten. „Jeder sieht Dinge anders und geht anders mit Dingen um, darüber muss man sich klar werden, wenn man mit verschiedenen Menschen zusammen arbeitet.“ 

Wie wird es wohl weitergehen
Alina ist nun Jugendbegleiterin in der Grundschule Hessental, diese hatte sie selbst besucht und kennt daher auch viele Kinder aus der Gemeinde. Gerne würde sie weiterhin Theater spielen: „man braucht diese Abwechslung vom Alltag, alles vergessen, was sich draußen abspielt, es macht Spaß an einer Sache dran zu bleiben und neue Leute kennen zu lernen.“

Leon weiß noch nicht, ob er weiterhin etwas mit Theater macht:. „Ja, eher nicht. Hat schon Spaß gemacht, aber ich bin nicht so der Planer, ich weiß nicht, was ich am nächsten Tag mache. Lust hätte ich schon.“



Text und Foto: Mareike König


Montag, 14. April 2014

Es gibt noch etwas anderes als das Bekannte: Ein Gespräch mit Zora und Moritz


Zum fünften Mal des Projekts Abenteuer Vielfalt kommt wieder eine Mischung von unterschiedlichen Teilnehmenden zusammen. Mareike König sprach mit Zora Verleger und Moritz Rudolph und stellt sie vor:

Zora Verleger aus Steinbach ist 14 Jahre alt und besucht den Montessorizug an der Leonard Kern Realschule. Geboren ist sie in Kupfer, wo sie bis zu ihrem fünften Lebensjahr mit ihren Eltern und ihren zwei ältere Brüdern wohnte. Diese wollten dann aber lieber in einer größeren Stadt leben. So zog die Familie zur Geburt der kleinen Schwester nach Steinbach am Stadtrand von Schwäbisch Hall. Auch Moritz Rudolph, 15 Jahre alt, lebt in Steinbach und besucht die neunten Klasse der Leonard Kern Realschule. Auch er hat eine kleine Schwester. Obwohl Moritz und Zora im gleichen Ort und die gleichen Schule besuchen kannten sie sich vor ihre Teilnahme an dem Projekt Abenteuer Vielfalt jedoch nicht. 

Zora spielt seit fünf Jahre Handball im Verein. In Ihrer Freizeit erfreut sie sich aber auch an anderen Sportarten: „Hauptsache mit Ball:  Basketball,Volleyball oder Fußball.“ Da zahlt es sich aus, dass sie direkt an einem Sportplatz.

Moritz hingegen spielt seit 3 1/2 Jahren Saxophon. Zunächst spielte er Altsaxophon, doch die kleine Bigband der Musikschule brauchte ein Baritonsaxophon, so lernte er zusätzlich das größere Baritonsaxophon zu spielen und ist nun Teil der kleinen Bigband. In der Band wird vor allem Jazz gespielt, diese Musikrichtung findet sich auch auf seinem MP3-Player. „Ich bleibe aber nie lange bei einer Musikrichtung“ sagt er, so findet sich dort auch Pop oder Rock. Moritz hört stimmungsabhängig verschiedene Musik, so hat er auf seinem MP3 Player verschiedene Alben zum Beispiel mit „Happy“, „midel“ oder „deep music“, was er hört, wenn er etwas schlechter gelaunt ist.

Zora bringt sich gerade Gitarre spielen bei. Inspiriert zum Gitarre spielen ist sie durch einen Jugendgottestdienst geworden und dachte sich, dass es nur hilfreich sein kann, wenn sie als Betreuerin der Kinderkirche Gitarre spielen kann. So kann sie jetzt zwei Instrumente spielen, denn mit einer Anleitung aus dem Internet und einem speziellem Set bastelte sie sich ein Cajón, ein Kistentrommel aus Südamerika.


Erfahrung mit Theater
Sowohl Moritz als auch Zora haben schon in der Grundschule Theater gespielt. Moritz erinnert sich an die vierten Klasse „Ich sollte einen Typ in einem Sack wegschleppen“. Außerdem hat er mit 11 Jahren mal bei einem Schwarzlichttheaterstück im Heimbacher Hof Schwäbisch Hall mitgemacht.  „Ich durfte den Affen und den Magier spielen“, sagt er mit ironisch stolzer Stimme. Am meisten begeistert Moritz am Schwarzlichttheater „dass man da nicht alles sieht, sondern sich auch Sachen einbilden kann, man musste sich nicht festlegen, die Fantasie wird angeregt.“

Zora spielte von der zweiten bis zur sechsten Klasse beim kleinen Theater Hall mit. Dort haben sie einmal das berühmten Märchenroman MOMO nachgespielt aber auch selber Stücke geschrieben. Sie erinnert sich an eines: „Es ging um Emotionen, es gab sieben Zwerge und jeder Zwerg hatte eine andere Emotion und reagierte unterschiedlich auf eine Situation – ich war der Choleriker“, sagt sie grinsend. 

Moritz und Zora gehen beide auch ab und zu mal in ein Theaterstück im Alten Schlachthaus. 

An Kolumbus zeigt sich Vielfalt
Das Wort „Vielfalt“ besitzt für Zora und Moritz eine sehr positive Färbung. Zora bezeichnet es als „ein buntes Wort, irgendwie denke ich an einen Regenbogen“. Sie bringt es auch direkt mit kulturellen Unterschieden und verschiedenen Menschen in Zusammenhang. „Es ist interessant, wie andere ein Bild anders sehen, da sie andere Erfahrungen mit etwas gemacht haben.“ Für sie ist es ein dehnbarer Begriff, durch den man  sich selbst und andere sich weiterentwickeln können:  „Sonst wäre es ja langweilig, Unterschiede sind cool, andere Meinungen, andere Sichtweisen, es ist interessant diese weiterzugeben, denn nur so erfährt man andere Sichtwesen und sieht es gibt noch etwas anderes als das Bekannte.“ Für Zora ist klar, man muss sich mit vielfältigen Lebensmodellen und Ansichten auseinander setzen, denn durch eingeschränkte Sichtweisen kommt es zu Streit, Schwierigkeiten oder sogar Krieg.

Moritz denkt bei Vielfalt an Gedankenvielfalt, verschiedene Charaktere, Meinungen und Ideen. Überall ist Vielfalt zu entdecken, „in der Klasse sieht man verschiedene Menschen aber auch in der Wissenschaft, wenn es um Artenvielfalt geht. Vielfalt ist positiv, denn zum Beispiel Kolumbus war vielfältiger als andere. Hatte andere Ideen und hat dadurch Amerika entdeckt. Wenn alle gleich wären, würde es nichts Spannendes geben, man würde schon alles kennen, weil alle gleiche Gedanken haben, es gäbe keine Abwechslung.“ Doch Moritz sieht auch die Schwierigkeiten bei Vielfalt, denn es gibt ja auch eine Vielfalt von Negativem.


Das Projekt „Abenteuer Vielfalt"
Als Moritz beim Haller Freundschaftsfest letztes Jahr von Gerry, ein Teilnehmer aus der letzten Staffel „Abenteuer Vielfalt“ angesprochen wurde dachte er darüber nach die Ausbildung als Jugendbegleiter zu machen. Der Gedanke, etwas außerhalb von der Schule zu machen, in einer neuen Umgebung und mit neuen Leuten gefiel ihn. So ging er zum ersten Treffen des Projekts.  „Erste Tage sind immer komisch, weil so viel geredet wird, so viel Theoretisches. Aber bei Abenteuer Vielfalt waren auch gleich praktische Übungen dabei“ und das überzeugte ihn weiterhin dabei zu bleiben. Und auch weiterhin machte es viel Spaß denn „das Kreative wird beim Theater auf einen Punkt gebracht, nicht jeder würde das Selbe spielen und so bringt es den Charakter hervor.“ Das ist Moritz besonders wichtig, der Charakter jedes einzelnen, „das Selbst des gegenüber.“  Überraschend für Moritz war: „Ich werde so positiv wahrgenommen, ich habe eine andere Seite von mir entdeckt. Ich lasse mich langsamer aus der Ruhe bringen und ich denke ich bin auch kreativer geworden.“ 

Zora wurde durch Aline, eine Freundin die bereits Abenteuer-Vielfalt-Jugendbegleiterin ist, darauf aufmerksam gemacht: „Aline hat mich überredet. Es ist ein richtiger Ausgleich zum Alltag. Die Schule bleibt bei jeder Einheit draußen. Außerdem entdecke ich eine andere Facette von mir.“ Für Zora war das Ausschlaggebende Stichwort: Improvisation, egal was es ist, man lässt es einfach raus. Man ist oder wirkt sofort offener. Es kommt vor, dass sie denkt „das hätte ich jetzt im Normalfall nicht gesagt, mir war klar, dass es mir gefallen wird, ich wollte nichts verpassen, was ich mitnehmen kann.“ Und genau so war es auch, gleich beim ersten Treffen hatte Zora viel Spaß an den Übungen „es war mein Geburtstag und alle Gedanken zur Schule waren weg. Ich habe mich gut gefühlt. Die Atmosphäre war genau richtig.“ So wie bei Moritz hat auch Zora eine Veränderung festgestellt, auch sie nimmt sich inzwischen anders wahr, sagt öfter ihre Meinung und steht dazu. 

Moritz und Zora freuen sich auf die Arbeit als Jugendbegleiter. Moritz plant schon ein während er seine Mittlere Reife im sozialen Zug macht, nebenher als Jugendbegleiter zu arbeiten. Zora wird im nächsten Jahr in Steinbach als Jugendbegleiterin mit einer Theater AG arbeiten. Auch sie hat den sozialen Zug eingeplant, um dort Ihr Abitur zu machen. 

Zum Ende findet Zora noch einen schönen Abschluss: „Irgendjemand hat mal gesagt: Das halbe Leben ist Humor und jemand anders das halbe Leben ist Spontanität.“ 


Text: Mareike König
Foto: Aline Schmidt